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Gedenkst du meiner noch? ‒ So lange schon ist’s her,
vom Flor entschwund’ner Jugend längst umhangen;
und doch wird mir das Herz noch jetzt gar manchmal schwer,
häng’ ich an jener Zeit doch immer noch so sehr
als wären fünfzig Jahre nie vergangen.

Wie waren wir so jung! ‒ Es blühte rings das Feld,
die Heckenrose hatte ausgeschlagen;
in Glanz und Sonne lag das blaue Himmelszelt,
voll Blumen war die Flur, so heiter schien die Welt
und wonniglich, man wußt’ es kaum zu sagen.

Erinnerst du dich noch? Am alten Ulmenbaum
da drehte sich beim Maientanz der Reigen;
es fand mein scheuer Blick dich in der Menge kaum,
du standest ganz allein am blüh’nden Wiesensaum
und wagtest dein Gesichtchen kaum zu neigen.

Der Maientanz begann! ‒ Es wiegte Paar auf Paar  
sich hold zum süßen Klange der Schalmeien;
Ich sah alleine dich! ‒ mit bunten Bändern war
und Flechten reich geschmückt, dein goldbeglänztes Haar
als sollte dich der Fürsten größter freien!

Ganz deines Anblicks voll, beugt’ ich vor dir das Knie
um dich, Elaine, zum Reigentanz zu führen;
verflössen tausend Jahr’! ‒ ach ich vergäße nie,
die unschuldsvolle Huld, die dir dein Lächeln lieh
mocht’ keine Jungfrau anmutiger zieren!

Errötend, Arm in Arm, sankst du an meine Brust,
die Welt versank uns rings in süßen Schauern;
wir waren wie im Traum uns selber kaum bewußt,
und wünschten, halb in Scham, und halb in froher Lust,
der Augenblick, er möge ewig dauern.

Beim Maientanze auf der Flur von Poitou,
da schenkten wir einander uns’re Herzen;
denk’ ich daran zurück, mein holdes Liebchen du,
steigt aus dem Grab der Zeit dein Bild mir immerzu
und rührt mein Herz mit sehnsüchtigen Schmerzen.

Gedenkst du meiner noch? Ach könntest du, Elaine,
die Qualen meiner Sehnsucht nur ermessen! ‒
Mag rascher gleich der Tag des Alters uns vergeh’n,
so wie die Winde, ach! ‒ ein Rosenblatt verweh’n ‒
bleibst doch du meinem Herzen unvergessen!



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