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361

 

Daß Jesus Christus am Anfang klein sei, und anschließend wachsen würde. Der kleine Stein bei Daniel [1].

 

Wenn ich auf gar keine Weise vom Messias künden gehört hätte – so erkennte ich dennoch gemäß jener so bewunderungswürdigen Voraussagen über die Weltordnung, die ich erfüllt sehe, daß dies göttlich ist. Und wenn ich wüßte, daß dieselben Bücher einen Messias verkündeten, so würde ich gewißlich glauben, daß er erschienen wäre, und da ich sähe, daß sie die Zeit seines Erscheinens vor die Zerstörung des zweiten Tempels [2] setzen, würde ich sagen, daß er erschienen wäre.

 

362

 

Prophezeiungen.

 

Die Bekehrung der Ägypter.

Jesaja XIX, 19:

Ein Altar in Ägypten für den wahren Gott [3].

 

363

 

Zur Zeit des Messias spaltet sich dieses Volk.

Die im Geiste Lebenden haben den Messias begrüßt, die Grobsinnlichen sind dabei verharrt, ihm als Zeugen zu dienen.

 

364

 

Prophezeiungen.

 

Wenn ein einzelner Mensch ein Prophetenbuch über Jesus Christus für die Zeit und die Art und Weise seines Kommens geschrieben hätte, und Jesus Christus wäre diesen Prophezeiungen entsprechend erschienen, so wäre dies eine ungeheure Befähigung.

Aber hier ist viel mehr als nur das. Es handelt sich um eine Reihe von Männern während einer Zeit von viertausend Jahren, die einer nach dem anderen auftreten und beständig, ohne voneinander abzuweichen, jenes nämliche Erscheinen Christi verkünden. Ein ganzes Volk verkündet es und besteht seit viertausend Jahren, um gemeinschaftlich Zeugnis von den Verheißungen abzulegen, die sie davon besitzen und von denen man sie nicht abbringen kann, welche Drohungen und Verfolgungen man immer über sie verhängen mag. Dieser Umstand ist noch viel bemerkenswerter.

 

365

 

Prophezeiungen.

 

Die Zeit ward durch den Zustand des jüdischen Volkes vorhergesagt, durch den Zustand der heidnischen Völker, durch den Zustand des Tempels, durch die Anzahl der Jahre [4].

 

366

 

Hosea III [5].

 

Jesaja XLII, XLVIII: Darum verkündete ich es dir längst zuvor [6], damit man wissen sollte, ich bin es, LIV, LX, LXI, letztes [Kapitel] [7].

 

Jaddus an Alexander [den Großen] [8].

 

367

 

Man muß kühn sein, um ein- und dasselbe Begegnis auf so viele Arten vorauszusagen. Die vier götzendienerischen oder heidnischen Königreiche, das Ende der Herrschaft von Juda und die siebzig Wochen (bei Daniel) mußten zur selben Zeit eintreffen. Und das alles, ehe der zweite Tempel zerstört wäre [9].

 

368

 

Die größten Beweise für Jesus Christus sind die Prophezeiungen. Für diesen Zweck hat Gott auch am meisten Sorge getragen, denn jenes Ereignis, das die Prophezeiungen erfüllt hat, ist ein Wunder, das seit Grundlegung der Kirche bis zum Ende fortbesteht. Ferner hat Gott eintausendsechshundert Jahre lang Propheten auftreten lassen, während er vierhundert Jahre später all diese Prophezeiungen zusammen mit all den Juden, welche diese an alle Orte der Welt trugen, zerstreut hat. Von solcher Art ist die Vorbereitung zur Geburt Jesu Christi gewesen, dessen Evangelium, ehe es von jedermann geglaubt werden sollte, es nicht nur notwendig machte, daß es die Prophezeiungen gegeben hat, die zum Glauben führen sollten, sondern daß dieselben Prophezeiungen in aller Welt verbreitet würden, damit es alle Welt annehmen sollte.

 

369 [10]

 

Man hat geglaubt, Herodes sei der Messias [11]. Er hatte das Szepter von Juda hinweggenommen, aber er stammte nicht von Juda. Daraus entstand eine bedeutende Sekte.

Sowohl Bar Kochba [12] als auch ein andrer wurden von den Juden angenommen. Und die Gerüchte, die es in jener Zeit allenthalben gab. Sueton, Tacitus, Josephus [13].

 

Wie mußte der Messias beschaffen sein, da doch durch ihn das Szepter auf immer in Juda bleiben sollte und das Zepter bei seiner Ankunft dennoch von Juda hinweggenommen werden sollte?

 

Um zu erreichen, daß sie sehen und doch nicht sehen, und daß sie hören und doch nicht hören [14], konnte nichts Besseres getan werden.

 

Die Juden verfluchen jene, welche die Zeitabschnitte zählen [15].

 

370

 

Weissagungen.

 

Daß im vierten Königreich, vor der Zerstörung des zweiten Tempels, ehe die Herrschaft von den Juden in der siebzigsten Woche bei Daniel hinweggenommen würde, während des Bestehens des zweiten Tempels die Heiden unterwiesen und zur Erkenntnis jenes von den Juden verehrten Gottes geführt werden würden; daß jene, die ihn lieben, von ihren Feinden befreit und mit seiner Ehrfurcht und seiner Liebe erfüllt werden würden [16]; und es ist eingetroffen, daß im vierten Königreich, vor der Zerstörung des zweiten Tempels usw., die Heiden Gott in Scharen verehren und daß sie ein himmlisches Leben führen.

 

Die Mädchen weihen Gott ihre Jungfräulichkeit und ihr Leben, die Männer üben Verzicht auf alle Freuden. Was Platon [17] über einen kleinen Kreis auserwählter und so gelehrter Männer nicht vermochte, das vermag eine geheime Kraft über hundert Tausende einfacher Menschen durch die Wirkung weniger Worte.

Die Wohlhabenden verlassen ihre Besitztümer, die Kinder verlassen das feine Elternhaus, um Buße in einer Wüste zu tun usw. Siehe beim JUDEN PHILON [18].

Was bedeutet all dies? Das ist, was so lange im vorhinein verkündet worden ist. Seit zweitausend Jahren hatte kein einziger Heide den Gott der Juden verehrt, und zur vorausgesagten Zeit verehrt die Schar der Heiden diesen einzigen Gott, die Tempel werden zerstört, und sogar die Könige beugen sich dem Kreuze. Was bedeutet all dies? Es ist der Geist Gottes, der über die Erde ausgegossen wird.

Selbst nach den Worten der Rabbiner gelangte von der Zeit Mose bis zu Jesus Christus kein Heide zum Glauben, die Schar der Heiden nach Jesus Christus aber glaubt an die Bücher des Mose und gehorcht deren Wesen und Geist und lehnt davon nur das Unnütze ab.

 

371

 

Da die Propheten verschiedene Zeichen gegeben hatten, die alle bei der Ankunft des Messias eintreffen sollten, war es notwendig, daß all diese Zeichen zur selben Zeit einträfen. Also mußte das vierte Königreich gekommen sein, wenn die siebzig Wochen bei Daniel vollendet wären und das Szepter alsdann von Juda hinweggenommen würde. Und all das ist ohne jede Schwierigkeit eingetroffen. Und daß dann der Messias kommen sollte; und Jesus Christus ist daraufhin gekommen, der sich „Messias“ genannt hat. Und all das geschieht wieder ohne Schwierigkeit, und das bezeichnet deutlich die Wahrheit der Prophezeiungen.

 

372

 

Non habemus regem nisi Caesarem [19]. Also war Jesus Christus der Messias, da sie ja nur mehr einen fremden König hatten und gar keinen anderen wollten.

 

373

 

Prophezeiungen.

 

Die siebzig Wochen bei Daniel sind zweideutig in bezug auf ihre Anfangszeit aufgrund der Worte der Prophezeiung [20] und in bezug auf ihre Endzeit aufgrund der Unterschiede bei den Chronisten. Aber diese ganze Abweichung beläuft sich höchstens auf zweihundert Jahre.

 

374

 

Prophezeiungen.

 

Die Herrschaft ward durch die babylonische Gefangenschaft keineswegs unterbrochen, da ihre Rückkehr bald erfolgte und vorhergesagt [21] wurde.

 

375

 

Prophezeiungen.

 

Der große Pan ist tot [22].

 

376

 

Was außer Ehrfurcht kann man für einen Menschen empfinden, der Ereignisse, die wirklich eintreffen, klar vorhersagt und der seine Absicht, sowohl zu verblenden als auch zu erleuchten, verkündet und die Unklarheiten den klaren Ereignissen, die wirklich eintreffen, hinzufügt?

 

377

 

Parum est ut. Jesaja [23]. Berufung der Heiden [24].

 

378

 

Weissagungen.

 

Es wird vorhergesagt, daß der Messias zu seiner Zeit einen neuen Bund stiften würde, der den Auszug aus Ägypten der Vergessenheit anheimgeben würde – Jeremia XXIII, 5 [25], Jesaja XLIII, 16 [26] – der sein Gesetz nicht im Äußerlichen, sondern im Herzen [27] aufrichten würde; daß er seine Ehrfurcht, die nur äußerlich bestanden hatte, mitten im Herzen einpflanzen würde. Wer erkennt an alledem nicht das christliche Gesetz?

 

379

 

Prophezeiungen.

 

Daß die Juden Jesus Christus verwerfen würden und daß sie aus demselben Grunde von Gott verworfen werden würden. Daß der erwählte Weinstock nur saure Trauben [28] tragen würde. Daß das auserwählte Volk ungetreu, undankbar und ungläubig sein würde: populum non credentem et contradicentem [29].

XXVIII, 28: Daß Gott sie mit Blindheit schlagen wird und daß sie am hellichten Tage wie Blinde [30] herumtappen würden.

Daß ein Wegbereiter vor ihm kommen würde [31].

 

380

 

Die ewige Herrschaft des Hauses David: Chronik II [32]. Durch alle Prophezeiungen und mit Eidschwur verheißen; und dies ist in irdischer Hinsicht nicht in Erfüllung gegangen. Jeremia XXXIII, 20 [33].

 

[XXVI] BESONDERE BILDER [34]

 

381

 

Besondere Bilder.

 

Zwiefaches Gesetz, zwei Gesetzestafeln, zwei Tempel, zwiefache Gefangenschaft.

 

382

 

(Jafet steht am Anfang des Stammbaumes.)

 

Jakob [35] kreuzt seine Arme und zieht den Jüngeren vor [36].

 

[XXVII] DIE CHRISTLICHE MORAL

 

383

 

Das Christentum ist wunderlich: es befiehlt dem Menschen, sich selbst als böse und sogar als verabscheuungswürdig zu erkennen, und befiehlt ihm zugleich, Gott ähnlich sein zu wollen. Ohne ein solches Gegengewicht würde ihn diese Erhöhung entsetzlich dünkelhaft, oder anders ihn diese Erniedrigung entsetzlich niederträchtig machen.

 

384

 

Das Elend führt zu Hoffnungslosigkeit.

Der Stolz führt zum Dünkel.

Die Fleischwerdung [Christi] zeigt dem Menschen die Größe seines Elends anhand der Größe jenes Heilmittels, dessen er bedurft hat.

 

385

 

Weder gibt es eine Erniedrigung, die uns unfähig zum Guten macht, noch eine Heiligkeit, die frei vom Bösen [37] ist.

 

386

 

Es gibt für den Menschen aufgrund der zwiefachen Gefahr der Verzweiflung oder des Stolzes, der er stets ausgesetzt ist, keine trefflichere Lehre als jene, die ihn über seine zwiefache Fähigkeit unterrichtet, die Gnade zu empfangen und zu verlieren.

 

387

 

Von allen Dingen auf Erden nimmt der Christ nur Anteil an den Verdrießlichkeiten, nicht an den Freuden [38]. Er liebt seine Nächsten, aber seine Nächstenliebe verharrt nicht in diesen [engen] Grenzen und erstreckt sich auch auf seine Feinde, und außerdem auf die Feinde Gottes.

 

388

 

Welcher Unterschied besteht zwischen einem Soldaten und einem Kartäusermönch in Ansehung des Gehorsams? Denn alle beide sind ja gleichermaßen gehorsam und untergeordnet und bei der Ausübung ihrer Pflichten gleichermaßen gewissenhaft. Aber der Soldat hofft stets, Befehlshaber zu werden und wird es niemals, denn sogar die Hauptleute und Fürsten sind stets Sklaven und Untergeordnete, doch hofft er beständig darauf und müht sich, dieses Ziel zu erreichen, während der Kartäusermönch ein Gelübde ablegt, stets nur untergeordnet zu bleiben. Sie unterscheiden sich also nicht durch die fortwährende Botmäßigkeit, der sie alle beide stets unterliegen, sondern durch die Erwartung, die der eine immer hat und der andere niemals.

 

389

 

Keiner ist so glücklich, so vernünftig, so tugendhaft, so liebenswert als ein wahrer Christ.

 

390

 


Mit welch geringem Stolz glaubt sich ein Christ eins mit Gott! Mit welch geringer Abscheu vergleicht er sich mit den Erdenwürmern! Welch schöne Art, das Leben und den Tod, Gutes wie Böses zu empfangen!

 

 
 
[1] Dan, II, 34-35 und 44-45. Siehe Fragment Nr. 720.
 
 
 
[2] Siehe Fragment Nr. 345, Anm. Nr. 497 und Fragment Nr. 367.
 
 
 
[3] Jes, XIX, 19: „Alsdann wird mitten im Ägypterland ein Altar für den Herrn stehen und an seiner Grenze ein Denkstein für den Herrn.“
 
 
 
[4] Siehe Fragment Nr. 367 und 370.
 
 
 
[5] Siehe Fragment Nr. 290, 294, 297, 734.
 
 
 
[6] Jes, XLVIII, 5 (siehe Fragment Nr. 735). Ähnliche Stelle bei Jes, XLII, 9.
 
 
 
[7] Pascal hat in den Betrachtungen die den nachfolgenden, verschiedenen Kapiteln entnommenen Stellen zitiert, übersetzt oder zusammengefaßt: Jes, LIV: Fragment Nr. 727; LX: Fragment Nr. 734; LXI: Fragment Nr. 734; LXVI (letztes Kapitel): Fragment Nr. 693, 728, 735. Eine zwiefache Thematik ist vorherrschend: „Verdammung der Juden und Bekehrung der Heiden“ (Fragment Nr. 735). 
 
 
 
[8] Den Jüdischen Altertümern (XI, 8) des Flavius Josephus entsprechend zeigte der Hohepriester Jaddus Alexandern die Stelle des Buches Daniel, wo vorhergesagt wird, daß ein griechischer König das Perserreich zerstören würde; und Alexander verehrte den Gott der Juden.
 
 
 
[9] Die Zeit der Ankunft des Messias wird im Alten Testament nicht auf eine, sondern auf vier „Arten“ vorhergesagt, nämlich in Form von vier zeitlich aufeinander folgenden, voneinander unabhängigen Zeichen, was die Übereinstimmung der Prophezeiungen beinahe ebenso erstaunlich macht wie deren Erfüllung. Der Messias soll während des vierten Königreiches kommen: Dan, II (übersetzt in Fragment Nr. 720); am Ende der Herrschaft von Juda, nämlich am Ende der „Herrschaft der Juden“ (Fragment Nr. 370): Gen, XLIX (übersetzt in Fragment Nr. 718 u. 719); während der siebzigsten Woche bei Daniel: Dan, IX (übersetzt in Fragment Nr. 720); vor der Zerstörung des zweiten Tempels von Jerusalem: Hag, II (übersetzt in Fragment Nr. 718). 
 
 
 
[10] Die im ersten Teil dieses Fragmentes enthaltenen Angaben stammen von Grotius‘ Von der Wahrheit der christlichen Religon, II, 2; III, 14; V, 14, 17, 19.
 
 
 
[11] Herodes ist für den Messias gehalten worden, weil bei der Ankunft desselben „das Zepter von Juda hinweggenommen werden sollte“ (Fragment Nr. 369) und weil Herodes der erste Fremdkönig der Juden war. Siehe Fragment Nr. 294, Anm. Nr. 395 u. Fragment Nr. 297, Anm. Nr. 400.
 
 
 
[12] Bar-Kochba, Anführer des ersten jüdischen Aufstandes gegen Rom (132-135). Dieser ‚gab sich während der Zeit Hadrians als Messias aus und verblendete die Verständigsten‘ (Grotius, Von der Wahrheit der christlichen Religion, V, 18).
 
 
 
[13] Sueton: Leben des Claudius, 25; Tacitus, Annalen, XV; Flavius Josephus, Jüdische Altertümer, XVIII, 3, 3.
 
 
 
[14] Vgl. Jes, VI, 10: „Mache das Herz dieses Volkes verstockt, seine Ohren verhärtet und seine Augen verblendet, daß es mit seinen Augen nicht sehe und mit seinen Ohren nicht höre, sein Herz nicht zur Einsicht komme und es wieder Heilung finde!“
 
 
 
[15] „Wider jene, welche den Zeitpunkt der Ankunft des Messias berechnen“, (Pugio fidei, S 213). Über das Werk Pugio fidei siehe Fragment Nr. 308, Anm. Nr. 445.
 
 
 
[16] Siehe Fragment Nr. 367.
 
 
 
[17] Der Vergleich zwischen dem Einfluß von Platon und jenem des Christentums stammt von Augustinus, Die wahre Religion, III, 3-5.
 
 
 
[18] In seinem Werk Vom kontemplativen Leben beschreibt Philon von Alexandria das asketische Leben der einsiedlerischen Wunderheiler von Oberägypten, die mehrere Kirchenväter – und mit ihnen Pascal – den Christen gleichstellen. Über Philon siehe Fragment Nr. 348, Amerkung Nr. 502.
 
 
 
[19] Joh, XIX, 14-16: Pilatus, da er Jesus vorführte, „sagte zu den Juden: Seht euren König! Jene aber schrien: Hinweg mit ihm! Hinweg mit ihm! Kreuzige ihn! Pilatus sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. Da übergab er ihnen Jesus zur Kreuzigung, und sie übernahmen ihn“. Diese Antwort der Hohenpriester soll zeigen, daß „das Ende der Herrschaft von Juda“ (Fragment Nr. 367) gekommen ist und daß sich daher in Jesus Christus die messianische Weissagung von Gen, XLIX, 10 erfüllte (siehe Fragment Nr. 294, 297, 369 usw.).
 
 
 
[20] „Von der Zeit an, da das Wort erging von der Wiederherstellung und dem Aufbau Jerusalems, bis zu einem Gesalbten, einem Fürsten, sind es sieben Wochen und zweiundsechzig Wochen ...“ (Dan, IX, 25; siehe Fragment Nr. 720). Welches ist dieses „Wort“? Der Erlaß des Kyrus zu Gunsten der Wiederherstellung des Tempels? Jener Erlaß, den Artaxerxes Esra oder auch Nehemia bewilligte? Könnte es nicht etwa jene in Dan, IX, 2 erwähnte Prophezeiung des Jeremias sein? Pascal hat die Darlegung dieser Diskussionen zwischen den Rabbinern in Pugio fidei, II, 3 vorgefunden.
 
 
 
[21] Siehe Fragment Nr. 336 u. 345.
 
 
 
[22] In seiner Abhandlung über Das Aussterben der Orakel, XVII, erzählt Plutarch, daß ein gewisser Thamus, in der Zeit des Kaisers Tiberius, eine Stimme vernommen hätte, die ihm zu verkünden befohlen habe: „der große Pan ist tot.“ Dies bezeichnet das Ende einer Allheit (das griechische Wort pan bedeutet das All): jener Allheit des Heidentums. Charron kommt in Dreierlei Wahrheiten (1. Ausgabe 1593, II, 8) auf die Anekdote zu sprechen: „Seit der Zeit des Augustus, und dem herrlichen Erscheinen von Jesus Christus sind die Orakel stumm geblieben und haben jenen nicht mehr geantwortet, die sie befragten und ihnen opferten. Die Geister und Dämonen werden verjagt, gezwungen, sich zurückzuziehen und sich auszuschweigen (...). Plutarch hat darüber eine eigene Abhandlung verfaßt, wo er sich zu Tode quält, davon die Ursache zu finden: und verkündet unter anderem den Tod des großen Gottes Pan.“
 
 
 
[23] Siehe Fragment Nr. 254 u. 354.
 
 
 
[24] Jener Umstand, daß die Heiden zur „Erkenntnis jenes Gottes, der von den Juden verehrt wird“, gerufen sind (Fragment Nr. 370).
 
 
 
[25] Jer, XXIII, 5-8: „Fürwahr, Tage werden kommen“ – Spruch des Herrn – , „da lasse ich dem David einen gerechten Sproß erstehen; als König herrscht er in Weisheit, im Lande vollbringt er Recht und Gerechtigkeit, Heil kommt über Juda in seinen Tagen, und Israel wohnt in Sicherheit; dies ist der Name, den man ihm gibt: ‚Herr, unsere Gerechtigkeit!‘ Darum seht, es kommen Tage“, – Spruch des Herrn – , „da sagt man nicht mehr: ‚So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägypten herausgeführt hat‘, sondern: ‚So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel aus dem Nordland und aus allen anderen Ländern, wohin ich sie versprengte, herausgeführt und heimgebracht hat, damit sie wieder auf ihrem Heimatboden wohnen.“
 
 
 
[26] Jes, XLIII, 16-19: „So spricht der Herr, der im Meer einen Weg gebahnt, einen Pfad in gewaltigen Wassern, der Wagen und Rosse ausziehen ließ, Streitmacht und Führer zumal; sie sanken dahin, stehen nicht mehr auf, sie sind erloschen, wie ein Docht verglimmt: „Gedenkt nicht mehr des Früheren, und die Vergangenheit kümmere euch nicht! Seht, ich schaffe Neuartiges! Jetzt sprießt es, merkt ihr es nicht? Ja, in der Steppe lege ich einen Weg an, Pfade im verödeten Land!“
 
 
 
[27] Siehe Fragment Nr. 360, Anm. Nr. 532.
 
 
 
[28] Siehe Fragment Nr. 735.
 
 
 
[29] Paulus, Röm, X, 21: Zu Israel aber sagt er (Jesaja): „Den ganzen Tag streckte ich meine Hände aus nach einem störrischen und widerspenstigen Volk“. Vgl. Jes, LXV, 2.
 
 
 
[30] Dtn, XXVIII, 28-29.
 
 
 
[31] Mal, III, 1.
 
 
 
[32] 2Chr, VII, 17-18: Gott wendet sich mit diesen Worten an Salomo: „Wandelst du vor mir wie dein Vater David, bereit, alles zu tun, was ich dir geboten habe, beachtest du meine Satzungen und Gebote, so werde ich deinen Herrschaftsthron bestehen lassen, wie ich es deinem Vater David verheißen habe: Es soll dir nie an einem Herrscher in Israel fehlen.“
 
 
 
[33] Jer, XXXIII, 20-21: „So spricht der Herr: Wenn mein Bund mit dem Tag und mein Bund mit der Nacht gebrochen werden könnte, daß es nicht mehr Tag und Nacht würde zur rechten Zeit, dann könnte auch mein Bund mit meinem Knechte David gebrochen werden, daß er ohne Sohn bliebe, der herrschen könnte auf seinem Throne.“
 
 
 
[34] Die Bilder haben prophetische Bedeutung (zum Beispiel steht Noah als Sinnbild für Jesus Christus, Fragment Nr. 313). Neben jenen Bildern, die den Messias ankündigen, kündigen andere „besondere Ereignisse“ (Fragment Nr. 491) an, deren Eintreffen die Wahrheit der Prophezeiungen in Hinblick auf den Messias beweist. Siehe Fragment Nr. 314 u. 660.
 
 
 
[35] Im Originaltext schreibt Pascal irrtümlicherweise „Joseph“.
 
 
 
[36] In den beiden erwähnten Bibelstellen des Alten Testamentes sieht man den jüngeren Sohn, entgegen dem Herkommen, dem älteren gegenüber „bevorzugt“: dem Heiligen Augustinus zufolge (Der Gottesstaat, XVI, 3 bzw. 42) ist dies ein Zeichen für jenes Vorrecht, das Gott dem Volk des Neuen Bundes (den Christen) gegenüber dem Volk des Alten Testamentes (den Juden) zubilligt. In Gen, X, 2, beginnt die Aufzählung der Nachkommenschaft Noahs mit seinem jüngsten Sohn Japhet. In Gen, XLVIII, 14, segnet Jakob Ephraim, den jüngeren der Josephsöhne, mit seiner rechten Hand, während er dem Älteren, Manasse, nur seine linke Hand auf das Haupt legt (siehe Fragment Nr. 719).
 
 
 
[37] Siehe Fragment Nr. 240.
 
 
 
[38] Zu vervollständigen durch Fragment Nr. 680: „Allerdings werdet ihr nicht in den verderblichen Freuden, im Glanz, in den Gelüsten, schwelgen. Aber habt ihr keine anderen [Freuden]?“
 
 



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